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Ansprache von Abt Urban Federer

Medientreffen mit dem neuen Vorsteher des Klosters Einsiedeln: Abt Urban Federer
Donnerstag, 12. Dezember 2013, im Musiksaal der Stiftsschule Einsiedeln


Sehr geehrte Damen und Herren

Ich möchte Ihnen herzlich für Ihr Interesse an unserem Kloster danken. Danken möchte ich Ihnen auch für Ihre Rücksichtnahme in der Berichterstattung in den letzten Wochen seit meiner Wahl. Trotz der in der Öffentlichkeit verständlicherweise vorhandenen Neugierde, wer wohl der neue Abt von Einsiedeln sein könnte, haben Sie die Frist bis vorgestern Dienstag eingehalten, um darüber zu berichten. Das ist für uns alles andere als selbstverständlich!

Ja, wer ist denn nun der Neue? Sie konnten ja bereits lesen, wer gewählt wurde: Pater Urban Federer.

Pater Urban Federer: Nomen est omen

Mit der Bezeichnung «Pater» wird gesagt, dass ich Mönch von Einsiedeln bin. Ich war einer der möglichen Kandidaten aus unserer Gemeinschaft. Damit sage ich, dass auch die anderen Mitbrüder des Klosters ihre je eigenen Fähigkeiten und Begabungen mitbringen und ich mich freue, mit ihnen zusammen meinen Weg als Abt gehen zu dürfen.

Mein Vorname «Urban» ist für mich schon fast programmatisch. «Urban» kommt vom lateinischen Wort «urbs» – «die Stadt» und bedeutet darum «Der Städter». Auch wenn hier in der Innerschweiz das Verhältnis zu Zürich nicht immer unverkrampft ist: Ich bin Stadt-Zürcher und – ich kann es nicht leugnen – ich bin sogar stolz darauf. Manche sagen mir hier in Einsiedeln übrigens, man merke mir an, dass ich aus Zürich sei...

Weiter bedeutete mein Vorname «Urban» in der Antike auch das städtische Lebensgefühl, die Bildung, die Kultur. Tatsächlich sind mir Bildung und Kultur sehr wichtig. Nach meinem Studium der Theologie studierte ich Germanistik und Geschichte und bin heute unter anderem Lehrer für Deutsch an unserer Stiftsschule, in deren Räume wir uns hier befinden. Ich bin leidenschaftlich gerne Lehrer, weil ich gerne mit jungen Menschen unterwegs bin. Ich versuche sie immer wieder dort, wo ich kann, zu fördern und zu begleiten. Ich werde mich deshalb gerne auch als Abt weiterhin engagiert für die Stiftsschule Einsiedeln einsetzen.

Bildung ist für mich Begegnung, Begegnung mit Menschen, mit Wissen, mit verschiedenen Arten zu denken und sich auszudrücken. Auch die Kultur pflege ich aus diesen Gründen. Ich liebe das Gespräch mit anderen Menschen. Darum lese ich nicht nur gerne, sondern schätze konkrete Begegnungen, im Kloster, aber auch ausserhalb unserer Gemeinschaft, ausserhalb der Kirche, auch ausserhalb des Christentums und unserer westlichen Kultur.
Was Bildung und Kultur betrifft, begleiten mich seit meiner Jugend vor allem Musik und Sport. In der Musik etwa liebe ich das Alte und das Neue: Ich bin Choralmagister des Klosters und damit zuständig für das Singen des Gregorianischen Chorals, der ältesten überlieferten Musik Europas. Ich unterstütze aber auch unseren Chor der Stiftsschule, in dem die Jugendlichen fast nur neuere Literatur singen, oder engagiere mich im Vokalquartett «Ravens», auf das ich am Schluss dieses Medientreffens noch zurückkommen werde.

Und dann heisse ich mit Nachname «Federer». Noch Ender der 90er-Jahre musste ich jeweils meinen Namen buchstabieren: Bitte mit «e», nicht mit «ä»! Heute fragen mich die Leute nur noch: «Ja wie...» – und ich antworte dann: «Genau: wie...!». Und bevor Sie mich fragen werden: Nein ich bin nicht der ältere Bruder von Roger Federer, auch nicht sein Cousin. Einem Ahnenforscher in unserer Familie gemäss haben wir aber im 17. Jahrhundert einen gemeinsamen Vorfahren. Unabhängig von unserem Verwandtschaftsgrad verfolge ich gerne seine Spiele und kann neidlos zugestehen, dass ich es im Tennis nicht so weit gebracht habe. Ich finde dafür Roger Federer äusserst sympathisch: zielbewusst, erfolgreich und gleichzeitig ganz «down to earth».

Wahlspruch

Wie verstehe ich mich als Abt von Einsiedeln? Zuerst bin ich Klostervorsteher, bin also zuständig für zwei klösterliche Gemeinschaften, nämlich Einsiedeln und Fahr, und für einen Wallfahrtsort. Zusammen mit meinen Mitbrüdern möchte ich Einsiedeln als einen Ort der Begegnung erhalten und fördern. In Einsiedeln dürfen Menschen immer wieder Gott begegnen. Sie könne sich hier auch selbst begegnen in ihren Freuden und Hoffnungen, in ihren Sorgen und Enttäuschungen. An diesem Ort begegnen Menschen auch anderen Menschen, als Einzelne oder in grossen Pilgergruppen. Hier treffen sich Leute aus verschiedenen Nationen und Religionen, Menschen mit unterschiedlichsten Sprachen. Grosses Vertrauen habe ich dabei in die Schwarze Madonna von Einsiedeln. Sie ist nicht nur Ziel zahlloser Wallfahrten von Katholikinnen und Katholiken. Maria, die Mutter Gottes, verbindet mit Einsiedeln auch Gläubige aus den orthodoxen und reformierten Kirchen, aus dem islamischen und aus dem hinduistischen Glauben.
Auch das Kloster Fahr am Rande der Stadt Zürich ist ein Ort der Begegnung: Nicht nur von der Natur her ist das Fahr eine Oase. Auch als spirituellen Ort möchte ich es andere Menschen immer wieder entdecken lassen.

Wie ich meine Aufgabe als Abt verstehe, zeigt mein Wahlspruch. Er stammt aus der Bibel. Dort kommt mein Name einmal vor. Paulus schreibt am Ende seines Römerbriefes: «Grüsst Urbanus, unseren Mitarbeiter in Christus» (Röm 16, 9). Diese biblische Bezeichnung «Mitarbeiter in Christus» – auf Lateinisch: «Adiutor in Christo» – habe ich als Wahlspruch gewählt. Ich hoffe auf Menschen, die mit mir zusammen in den Klöstern, in der Kirche und in der Gesellschaft für ein gutes Zusammenleben und für das Wohl jedes Einzelnen arbeiten.

Meine Mitarbeit werde ich auch für die Kirche in der Schweiz als Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz und als Teil der Weltkirche einbringen. Zu diesem Aufgabenfeld kann ich heute natürlich noch nichts sagen, sondern muss es zuerst kennenlernen.

Kulturelles und soziales Engagement

Gerne engagiere ich mich und packe an, wo ich meine Fähigkeiten einbringen kann. Als Beispiel möchte ich hier zum Schluss eine CD präsentieren, die eben erschienen ist und die Sie heute als Erste zu Gesicht und zu Ohren bekommen. Aufgenommen wurde sie in diesem Saal und in wenigen Stunden. Es geht auf dieser CD darum weniger um musikalische Qualität, sondern um die Freude am Singen und um ein soziales Engagement. Zu hören ist unser Vokalquartett «Ravens». Die zwei jungen Frauen, die die Sopran- und Altstimmen singen, sind ehemalige Schülerinnen von mir und studieren heute. Beide verbrachten während ihrer Gymnasialzeit einen Sommer in der «Namwala High School» im Sambia, der Partnerschule unserer Stiftsschule. Um dort etwa Fenster und Dächer reparieren zu können oder Kochtöpfe erneuern zu lassen, begannen wir zu singen und schickten den gesamten Erlös unserer Konzerte nach Namwala. Auch der Erlös dieser CD geht vollständig an unsere Partnerschule. Zu Ehren des vor wenigen Tagen verstorbenen Nelson Mandela habe ich mich bei der Wahl der Hörprobe für ein ruhigeres Stück entschieden: für einen Ausschnitt aus der Südafrikanischen Nationalhymne. Letztlich möchten wir mit dieser CD ja die Aufmerksamkeit gerade auf diesen oft vergessenen Kontinent lenken.

[Nkosi Sikelel’ iAfrika]

Viel Neues und Spannendes erwartet mich. Darauf möchte ich mich in Ruhe vorbereiten. Darum werde ich mich vor der Abtsbenediktion vom 22. Dezember 2013 nun für ein paar Tage zurückziehen. Nach diesem Tag werde ich mich daran machen, mich klosterintern neu zu organisieren, mich auf meine neue Aufgabe vorzubereiten. Ich freue mich dann im neuen Jahr herauszufinden, wo ich mich auch ausserhalb der Klöster Einsiedeln und Fahr engagieren kann.

Danke für Ihr Interesse und Ihr Kommen
Abt Urban Federer OSB


Foto in Hochauflösung:
www.kloster-einsiedeln.ch/abturban.jpg (Fotograf: Franz Kälin)