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Ansprache von Abt Martin in der Klosterkirche zum Jahreswechsel

Wir wollen dieses neue Jahr 2011 gemeinsam beginnen mit dem Kreuzzeichen und miteinander sprechen:

IM NAMEN DES VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES. AMEN.

Damit ist ein guter Anfang gesetzt. Wir bleiben nicht einfach an der Oberfläche stehen, sondern schauen dahinter. Wir vertrauen das neue Jahr dem an, der hinter allem steht.
Das haben viele von uns auch bereits vor einem Jahr getan. Was hat’s gebracht? Hat’s etwas zum Besseren verändert?

Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, kommt mir spontan die Tunnelerfahrung aus der Kurzgeschichte von Friedrich Dürrenmatt in den Sinn: Dunkel, grosse Geschwindigkeit, Notbremse, klettern, rasen, abwärts fahren, Sturzflug, Sisyphusarbeit.

Das Jahr 2010 war für mich ein sehr schwieriges Jahr. In ganz verschiedenen Situationen hatte ich den Eindruck, dass ich über meine Kräfte gefordert werde. Die Rumpelkiste der Enttäuschungen ist gross. Frustration drängte sich geradezu auf. Manchmal war es zum Davonlaufen.

Ich denke, dass es vielen unter Ihnen ähnlich ergangen ist.

Aber das ist nicht alles. Rückblickend entdecke ich dankbar, dass ich offensichtlich immer wieder die nötige Kraft erhalten habe. Ich bin an den Herausforderungen nicht zerbrochen. Entgegen allen Erwartungen habe ich sogar den Humor nicht verloren. Doch: Einmal habe ich ihn verloren. Meine Sekretärin fand ihn unter einer Beige gehässiger Briefe wieder. Ich konnte trotz allem wieder lachen.

Auch diese Erfahrung haben wohl viele unter Ihnen gemacht. Obwohl alles zum Davonlaufen war, sind wir dran geblieben. Obwohl die Schwierigkeiten uns über den Kopf gewachsen sind, wurde unser Herz nicht hart, sondern vielleicht sogar ein klein wenig weiter.

Vielleicht finden auch Sie sich in der Erfahrung wieder, die Silja Walter im vorhin vorgetragenen Gedicht formuliert hat:
Ist hinter allen Dingen,
Die scheinbar nicht gelingen,
Doch einer, der mich liebt.
Einer ist dahinter. Einer, der mich liebt. Auch wenn das Eis einbricht und der Abgrund droht.

Das gibt Mut auch für das Jahr 2011. Das schenkt Hoffnung, dass wir auch im neuen Jahr immer wieder die Kraft erhalten werden, um das Leben zu bestehen. Und selbst, wenn wir es nicht bestehen. Wir fallen nicht ins Nichts. Da ist einer, der uns kennt und uns liebt. In seinem Namen haben wir dieses neue Jahr begonnen.

Ich lade Sie ein, jeden neuen Tag dieses Jahres in diesem Namen zu beginnen. Am Morgen, wenn Sie aufwachen, als erstes das Kreuzzeichen machen, so wie wir das neue Jahr begonnen haben. Ausrede "Keine Zeit" gilt hier nicht. Sie haben sich die Zeit geschenkt, den Jahreswechsel bewusst zu gestalten. Was ist da das bewusste Gestalten des ersten Augenblicks des Tages dagegen?

Wir wollen jetzt Gott um seinen Segen bitten – für uns und für alle Menschen, denen wir im Jahr 2011 begegnen werden. Dazu stehen wir auf.

DER HERR SEGNE EUCH.
ER LASSE SEIN ANGESICHT ÜBER EUCH LEUCHTEN
UND SCHENKE EUCH SEINEN FRIEDEN.
SO SEGNE EUCH DER BARMHERZIGE UND GÜTIGE GOTT:
DER VATER UND DER SOHN UND DER HEILIGE GEIST. AMEN.

Wir alle sind Gesegnete. Wir sind berufen, auch anderen zum Segen zu werden. Das ist eine grosse Berufung.

Miteinander wollen wir einstimmen in das grosse Lob- und Dankgebet "Grosser Gott, wir loben dich."