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Sonntagsgedanke – 11. März 2018

Laetare – freue dich!

Liebe Leserinnen und Leser

Heute feiern wir den Sonntag "Laetare". Die Bezeichnung stammt aus dem Eröffnugsvers der Messfeier: "Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung" (vgl. Jes 66, 10-11).

So möchte ich heute über die Freude nachdenken.

Als kleiner Bub hatte ich die seltsame Angewohnheit, beim Essen das, was mir am besten schmeckte, bis zum Schluss aufzusparen und den letzten Bissen noch lange unzerkaut im Mund zu behalten. Aber dann musste es sein: runterschlucken – und weg war er. Vielleicht wollte ich dem Genuss so lange wie möglich Dauer verleihen, ihn nicht verlieren.

Schon Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) hat festgehalten: "Jede Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit". Dabei brauchen wir in diesem Zusammenhang Lust und Freude nicht zu unterscheiden. Wie kann man sich freuen, wenn man genau weiss, dass alles vergänglich ist? Leben wir nicht in Luftschlössern, in Illusionen, zusammen mit dem Tod, der uns in den schönsten Augenblicken siegessicher anlacht?

Es gibt Menschen, denen das nicht viel auszumachen scheint, sie scheinen damit zurecht zu kommen. Andere wollen einfach nicht daran erinnert werden. Wieder andere leben nach einem Motto Albert Schweizers (1875 – 1965): mutig Segel setzen, nach dem Kompass und der Karte steuern. Mit andern Worten: es geht darum, im Augenblick zu stehen und unbeirrt Werte zu verwirklichen, für die man sich entschieden hat.

Was ist das Besondere an der christlichen Freude? Sie sucht die tiefe Ewigkeit nicht im Zeitlichen. Sie hängt nicht von der Dauer eines angenehmen Zustandes ab. Paulus geht noch einen Schritt weiter und sagt sogar, dass wir uns so freuen sollten, als würden wir uns nicht freuen (1 Kor 7,30). Als Begründung fügt er an: "Denn die Gestalt dieser Welt vergeht" (1 Kor 7,31). Den innerweltlichen Freuden (und Leiden!) eignet offenbar eine relative Bedeutung. Dadurch müssen die Gegebenheiten auch nicht etwas versprechen, was sie gar nicht halten können.

Der Schlüssel für die christliche Freude, die Freiheit, Gelassenheit und heitere Erwartung auszeichnet, liegt in einem bestimmten Bewusstsein von Zeit. Für den christlichen Glauben vergeht die Zeit nicht, sondern sie kommt: Mit jedem Tag bewegen wir uns auf das endgültige Eingehen in die Fülle und die Freude unseres Lebens zu. Wie das sein wird, können wir nicht wissen; dass unser irdischer Weg aber in etwas einmünden wird, das kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und das in keines Menschen Sinn gedrungen ist (1 Kor 2,4), das hoffen und glauben wir. Wir hoffen auch, darin all das und all jene wieder zu finden, denen wir im Leben begegnet sind – geläutert und noch kostbarer geworden in der alles durchscheinenden Liebe Gottes.

Eine gute Vorbereitung auf diese endzeitliche Freude ist das Einüben der "exactitude de l’amour", von der Dom Columba Marmion (1858 – 1923), ein Meister der benediktinischen Spiritualität, spricht. Es geht um die Unterscheidungsgabe, das Feingefühl, den Takt und die Präzision der Liebe. Diese Kunst hilft, richtig zu sehen, zu wählen und zu handeln. Was innerhalb dieses Lichtkegels liegt, hat Bestand und holt das Zukünftige in die Gegenwart herein, statt uns in der Erinnerung an Vergangenes traurig werden zu lassen.

Einer Verbindung von Freude und Liebe begegnen wir schliesslich im Prolog der Benediktsregel. Der Vers kann uns den Weg durch die noch vor uns liegenden Wochen der Fastenzeit weisen: "Sobald man aber im klösterlichen Leben und im Glauben Fortschritte macht, weitet sich das Herz, und man geht den Weg der Gebote Gottes in unsagbarer Freude der Liebe."

P. Theo Flury

 
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