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Predigt an Dreikönigen

Um jemanden besser kennenzulernen, wird diese Frage oft gestellt: jene nach dem Traumberuf. Ob als Kind oder bereits im Erwerbsleben: Menschen haben Träume für sich für die eigene Zukunft. So wollte unser Bundespräsident Ueli Maurer Journalist werden. Ob er heute die Beiträge zu seiner Person in den Medien ab und zu nicht gleich am liebsten selbst schreiben oder zeigen würde? Und der Traumberuf von Bundeskanzlerin Angela Merkel war Astronautin. Ob sie am heutigen Tag Zeit hat, von Sternen und Planeten zu träumen?

Liebe Mitchristen, wir wissen aus unserem Leben, dass unsere Träume nicht immer wahr wer-den, dass es im Leben oft anders kommt, als wir es uns erhoffen. Ist unser Leben deswegen misslungen? Im Gegenteil: Ein bestimmter Traum vom Leben kann auch verhindern, dass wir zu dem gelangen, was für unser Leben gut ist. Suchen wir die Sterne und damit unsere Träume auch immer am richtigen Ort? Um diese Frage zu beantworten, können wir in diesen Kirchenraum schauen. Wo suchen wir den Stern, wenn nicht in der Weihnachtskuppel? Da gibt es alles zu sehen: Maria, Josef, das Kind, die Hirten, die Engel – aber keine Sterne. Wer Sterne finden will, muss zur nächsten Kuppel. Auf dieser sehen wir das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Es ist Nacht. Und der Raum, in dem das Abendmahl stattfindet, hat auf diesem Bild Fenster in die Nacht hinaus. Wer genauer hinschauen kann, findet durch diese Fenster hin-durch die Sterne des Nachthimmels. Wir suchen die Sterne eher auf dem Weihnachtsbild, da ein Stern die Sterndeuter aus dem Ostern zur Krippe führt. Sterne gehen uns in diesem Raum aber erst beim letzten Abendmahl auf, in der Nacht also vor Jesu grausamen Tod. Ja im Leiden würden wir wohl keinen Stern suchen und uns schon gar nicht von einem Stern dorthin führen lassen.

Genau genommen führt der Stern auch im Evangelium die Sterndeuter zuerst nicht zur Krippe, sondern in ihr mögliches Verderben. Sie fragen in Jerusalem nach dem Stern und landen prompt bei dem, der am meisten Angst vor einem neu aufgehenden Stern haben muss: bei König Herodes. Dieser weiss um die Weissagung, dass der Stern einen grossen Herrscher ankündigt, sagt doch der Prophet Bileam im Buch Numeri: «Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel» (24,17). Doch auch er braucht die Deutung anderer, um zu merken, dass der Stern auf einen Fürsten hinweist, der aus Betlehem hervorgeht.
Wenn uns ein Stern aufgeht, wenn wir einen Traum vom Leben haben, dann sagt das noch nicht alles über unseren Lebensweg aus. Um den Stern deuten zu können, braucht es den Weg selbst, den wir mit dem Stern gehen. Die Deutung des Sterns braucht zudem andere, die hin-hören, über eine reiche Erfahrung und ein Wissen verfügen, um dem Stern einen Sinn zu geben. Und es braucht auch den Mut, sich auf der Suche nach dem Stern nicht auf die erstbeste Antwort einzulassen, die alles so klar erscheinen lässt. Denn von einem Fürsten, der König Herodes erzittern lässt, haben die drei Sterndeuter wohl etwas anderes erwartet, als was sie dann in Betlehem vorfanden. Und ist es nicht befremdend, dass gerade Herodes, den die Angst leitet und der hintertrieben ist, die drei Sterndeuter den Weg nach Betlehem weist? Manchmal weist uns auch die Angst den Weg. Manchmal kann uns sogar ein falscher Mensch, eine schwierige Situation oder eine leidvolle Erfahrung einen Weg zeigen. Wir müssen dafür solche Menschen und solche Situation nicht zu lieben beginnen. Wir dürfen vielmehr überall und immer den Stern suchen, der uns weiterbringt: zum Kind und zu seiner Mutter Maria, wie es das Evangelium sagt.

In der Abendmahlskuppel, in der Nacht des Verrates scheinen Sterne auf. Sie ersparen Jesus das Kreuz nicht, aber sie zeigen auf diesem Leidensweg, dass es in der Nacht dennoch Licht gibt: einen Weg zum Leben. Und Christus wird erfahren, dass ihn sein Leidensweg zum Vater führt. Wir müssen deswegen nicht das Leiden suchen. Hingegen können wir im Leiden den Stern erkennen, der uns zu Gott führt. Weiter hilft es, um selbst Sterndeuter zu werden, die Verheissungen der Hl. Schrift zu kennen und im Abendmahl, in der Eucharistie, Christus auf dem eigenen Lebensweg zu wissen, um zu erkennen, welches unser Weg zum Leben ist. Auch der Hl. Paulus zeigt sich in der heutigen Lesung als Sterndeuter: Er erkennt, was Menschen früherer Generationen nicht erkennen konnten: dass alle Menschen, die glauben, Erben des Reiches Gottes und dadurch berufen sind, teilzuhaben an der Verheissung in Jesus Christus. In ihm haben wir unseren Weg zum himmlischen Vater. Welche Würde, welche Hoffnung welche Zuversicht! Liebe Mitchristen, wir müssen nicht all unsere Lebensträume verwirklichen. Aber wir können in allen Lebenssituationen um unsere Würde als Gottes geliebte Kinder wissen und ringen und darin unseren Stern zum wahren Leben finden. Möge uns allen diese Eucharistiefeier ein Stern sein, der uns aufgeht, wo auch immer wir in unserem Leben stehen. Amen.

 
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