Sonntagsgedanke – 7. Januar 2018

Diesen Sonntag – es ist der Sonntag nach Epiphanie, also nach dem "Dreikönigstag" – feiern wir das Fest "Taufe des Herrn". Dieses Fest beendet zugleich auch den Weihnachtsfestkreis, der bis jetzt andauerte: Die Texte der Liturgie waren noch ganz vom Weihnachtsgeheimnis durchdrungen, also vom Geheimnis (wie will man es auch anders bezeichnen?), dass der ewige Gott tatsächlich als Mensch auf Erden geboren worden ist – ein einschneidendes und in die ganze Schöpfung und jedes Menschenleben vor und nach Christus eingeprägtes Ereignis! Einprägung Gottes, seines Wortes in seine Schöpfung und in besonders in jeden Menschen!

Vom Priester und Theologen Romano Guardini (+1968) gibt es ein sehr schönes Wort, das er nach einem Traum aufgeschrieben hatte und das ich hier zitieren möchte:

"Heute Nacht, aber es war wohl morgens, wenn die Träume kommen, dann kam auch zu mir einer. Was darin geschah, weiß ich nicht mehr, aber es wurde etwas gesagt, ob zu mir oder von mir selbst, das weiß ich nicht mehr.
Es wurde also gesagt, wenn der Mensch geboren wird, wird ihm ein Wort mitgegeben, und es war wichtig, was gemeint war, nicht nur eine Veranlagung, sondern ein Wort.
Das wird hineingesprochen in sein Wesen, und es ist wie das Passwort zu allem, was dann geschieht.
Es ist Kraft und Schwäche zugleich. Es ist Auftrag und Verheißung. Es ist Schutz und Gefährdung.
Alles, was dann im Gang der Jahre geschieht, ist Auswirkung dieses Wortes, ist Erläuterung und Erfüllung. Und es kommt alles darauf an, dass der, dem es zugesprochen wird, – jeder Mensch, denn jedem wird eins zugesprochen - es versteht und mit ihm ins Einvernehmen kommt.
Und vielleicht wird dieses Wort die Unterlage sein zu dem, was der Richter einmal zu ihm sprechen wird."

Die Eucharistiefeier beginnt heute mit einem Taufgedächtnis, bei der wir mit Weihwasser besprengt werden. "Besprenge mich, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weisser als Schnee", werden wir dazu singen. Reinigung, damit das in uns gelegte Wort Gottes sich entfalten kann? Ermahnung, dieses Wort nicht wieder zu verschütten und zu beschmutzen; es vielmehr zu hüten, wie ein anvertrautes Gut, das man auf Knien empfängt, sich der Kostbarkeit dieses Juwels unendlich bewusst?

P. Daniel


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